Die neue EU-Verpackungsverordnung – und warum sie kleine Labels vor unmögliche Aufgaben stellt
Heute, am 12. August 2026, ist die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in vollem Umfang in Kraft getreten. Für mich als Inhaberin eines kleinen Schmucklabels in Berlin bedeutet das: Ich kann meinen Versand an Kund*innen in andere EU-Länder vorerst nicht mehr durchführen.
Was passiert eigentlich ab heute?
Die Verordnung soll Verpackungsabfälle reduzieren und die Umwelt schützen – grundsätzlich gute Ziele. Aber in der Praxis stellt sie kleine Unternehmen vor Aufgaben, die kaum zu schaffen sind:
Das Hauptproblem: Ab sofort müssen Produkte, die in andere EU-Länder verkauft werden, den dortigen Regeln folgen. Das klingt erstmal einfach. Aber: Jedes Land setzt die Verordnung anders um. Und oft braucht man einen lokalen Vertreter pro Land, der die Verantwortung übernimmt – quasi einen Ansprechpartner, der für Compliance, Dokumentation und Kommunikation zuständig ist.
Was kostet das? Für jedes Land, in das ich versende, kämen zusätzliche Kosten auf mich zu:
- Beauftragung eines Vertreters oder Bevollmächtigten
- Übersetzung aller Kennzeichnungen in die Landessprache
- Dokumentation nach den lokalen Vorgaben
- Eventuell eigene Registrierungen in jedem Land
Als großes Unternehmen sind das marginal Verwaltungskosten, die man einfach verrechnet. Als Alleinunternehmerin sind das Existenzfragen.
Meine Situation
Ich produziere mein Schmuck selbst, verschicke Pakete, beantworte Mails und versuche, ein seriöses Geschäft zu betreiben. Jetzt kommt noch die Aufgabe hinzu, für jedes Land die PPWR zu überwachen – ohne Rechtsexpertise, ohne Team, ohne Budget für Berater.
Die Konsequenz: Ich stelle den EU-Versand vorerst ein. Meine deutschen Kundinnen können weiterhin bestellen. Ebenso ist es ironischer Weise auch weiterhin kein Problem international nach Asien, Amerika, Australien und weitere Nicht-EU Länder zu versenden. Nur meine geschätzen EU Kund*innen können vorerst online nicht mehr bestellen.
Das ist nicht fair – und ändert sich hoffentlich
Ich glaube an nachhaltige Verpackungen. Ich habe mich schon vorher für umweltfreundliche Materialien eingesetzt. Aber eine Verordnung, die kleine Labels vom europäischen Markt ausschließt, weil sie die Hürden nicht überspringen können, ist kein Fortschritt. Das ist der Verlust von Vielfalt, von Kreativität, von unabhängigen Stimmen.
Deshalb bitt ich um Hilfe: Die Europäische Kommission nimmt öffentliches Feedback entgegen. Mit der Hoffnung, dass für kleine Unternehmen noch eine echte Ausnahmeregelung kommt..
--> Hier Rückmeldung an die EU-Kommission geben
Jede Stimme zählt!
Alles Liebe, Carolin
P.S.: Ich bin keine Rechtsexpertin. Diese Informationen basieren auf dem, was öffentlich zur PPWR zu finden ist. Für detailliertere Informationen oder rechtlichen Rat, empfehle ich sich direkt an die offiziellen Stellen oder eine Fachberatung zu wenden.