Es ist ein eisiger Wintermorgen hier in Berlin, ich hab grad mein Rad vor dem Atelier angeschlossen und wie auch die letzten Tage ist mein Handydisplay voller Mitteilungen meiner Freundinnen, die jeweils ihre eigenen Schmucklabels haben. Wie jeden Morgen, teilen wir unsere Fassungslosigkeit und auch unsere Sorgen miteinander die die drastisch steigenden Silber Kosten bei uns auslösen. Wir drei arbeiten alle leidenschaftlich gerne mit diesem Material und haben uns anhand dieses Materials in den vergangenen Jahren in einem bestimmten Preissegment etabliert, haben unsere Kundschaft langsam aber sicher aufgebaut. Einen Kundenkreis der Handwerk und Edelmetalle zu schätzen weiß und mit Freude immer wieder zu unseren Pop-Ups kommt und auf unsere zahllosen Newsletter und Social Media Posts reagiert.
Auch geben wir alle in der jeweiligen Stadt in der unsere Ateliers sich befinden Kurse in denen Teilnehmende ihr ganz eigenes Schmuckstück entwerfen und aus Wachs modellieren oder schnitzen können. Diese Wachsmodelle werden dann im Nachgang in Silber gegossen und zu fertigen, einzigartigen und hochwertigen Schmuckstücken verarbeitet und an die Teilnehmenden zurückgegeben.
Ich habe mich vor über fünf Jahren in das Material verliebt, mit der weichen und warmen Haptik und der gleichzeitigen Kälte der Materialfarbe. Meine Faszination für das Meer, für die rauen Gepflogenheiten auf See und für alles was sich unter der Wasseroberfläche versteckt haben mich dazu ermutigt mit diesem Label eine kleine eigene Welt zu bauen in der ich die Verbindung zwischen dem Menschen und der See in Schmuckstücke übersetzen kann.
Wie ich zum Schmuck kam? Während meines Designstudiums - welches ich eigentlich als Modedesignerin abschließen wollte - habe ich mich in des Goldschmiede-Handwerk verliebt. Eine Disziplin die ebenso viel Feingefühl wie grobes Handwerk erfordert, die Größenverhältnisse in denen ich arbeite, die Bedeutung, die Schmuckstücke in sich tragen, die Verbindung, die mit dem Körper aufgebaut wird und die Tatsache, dass es keine Limitierungen zu Schmuck in Form von Körperform, flüchtigen Trends oder Jahreszeiten gibt.
Als ich vor gut fünf Jahren mit meinem eigenen Gewerbe begonnen habe, habe ich 89 ct pro Gramm Silber bezahlt, nun ist dieser Preis über die letzten fünf Jahre zwar gestiegen, aber nur minimal und stetig, so dass wir bis Mitte letzten Jahres noch bei 1,47 € pro Gramm Silber lagen. Aufgrund steigender Nachfrage für Technologieprodukte, (die nicht recycelt werden), den multiplen Krisen und Kriegen auf der Welt und des aktuell sehr schwachen US Dollars ist es nun innerhalb des letzten Monats zu einer rasanten Preissteigerung gekommen. Heute am 20. Dezember liegt das Gramm Silber nun also schon bei 3,26 € bei meiner Gießerei des Vertrauens.
Heute morgen habe ich die Wachsmodelle des Workshops vom vergangenen Sonntag zur Gießerei gebracht, jede und jeder die oder der in letzter Zeit einen Workshop mitgemacht hat, weiß, dass ich 3 € pro Gramm Silber berechnet habe, sprich ich zahle für diese Runde einen ordentlichen Anteil der Materialkosten aus eigener Tasche.
Im Hinblick auf die Preise für den Workshop als auch die Preise für meine reguläre Kollektion bin ich also seit zwei Wochen am hin und her überlegen und am rechnen, wie ich weiter machen kann, ohne mein kleines unabhängiges Gewerbe an die Wand zu fahren.
Eine Möglichkeit: zu einem anderen Material wechseln. Einige Labels wechseln nun zu Messing. Messing hat eine goldene Farbe, ebenfalls gute Gusseigenschaften, wird auch von einigen Gussfirmen angeboten mit denen ich in den letzten Jahren zusammengearbeitet habe, ist für viele Hauttypen gut verträglich und kann auch ebenso wie Silber verarbeitet, poliert und gelötet werden.
Messing hat einen sehr geringen Materialwert von wenigen cents wodurch die Materialkosten zwar sinken, aber die Produktionskosten (meine Arbeitszeit und die Gusskosten die mir die Gießereien berechnen) bleiben natürlich die selben. Während man also bei einem Silberring für einen mittlerweile recht hohen Preis zumindest auch einen materiellen Gegenwert in Form von Edelmetall hat, bleibt der Preis für ein Messingschmuckstück jedoch ebenfalls verhältnismäßig hoch (wenn man es mit Schmuck von Bijou Brigitte und Co vergleicht) bleibt aber eben Modeschmuck ohne Materiellen Gegenwert. Zudem ist Messing deutlich härter was zu höherer Arbeitszeit und schnellerem Werkzeugverschleiß führt, Löten kann man es, man nutzt dafür allerdings Silberlot - welches natürlich auf dem goldfarbenen Material zu sehen bleibt.
So sehr ich meine Preise halten möchte, habe ich mich gegen diese Möglichkeit entschieden.
Zu gern arbeite ich mit Silber. In meiner Arbeit ging es nie um Quantität, um möglichst viele Verkäufe oder möglichst viele Follower*innen. Mir geht es um langlebige und zeitlose Objekte, geladen mit Erinnerungen und Bedeutung. Objekte die eine Geschichte erzählen. Long Story short, ab dem 1. Februar 2026 werde ich meine Preise im Onlineshop anheben müssen. Kleine, sehr leichte Schmuckstücke (vor allem Ear Cuffs) bleiben fast unberührt von diesen Änderungen, während es bei stärkeren Ringen, Ohrringen, Armbändern und Ketten einen gravierenden Unterschied machen wird.
Was die Workshops betrifft musste ich eine andere Lösung finden. Da der Silber Preis aktuell so stark schwankt, kann ich Wochen und Monate im Voraus keinen Festpreis festlegen für die Materialkosten, die zusätzlich zu der Workshopgebühr berechnet werden. Hier werde ich am Tag des Workshops allen Teilnehmenden zum Beginn des Workshops mitteilen, wie hoch der Preis pro Gramm Silber liegt.
Ich bin sehr dankbar für meine Kundschaft, für die Menschen, die seit Jahren meine Arbeit verfolgen und unterstützen, ich könnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen und hoffe, dass die neuen Preise nichts daran ändern werden. Die letzten Wochen haben die Preissteigerungen zu viel Unsicherheit und Frustration geführt aber am Ende bleibt mir nichts als zu vertrauen, dass der Wert von Silber weiterhin erkannt wird und meine Designs weiterhin etwas in euch auslösen.
Von Herzen,
Carolin